19. April - Fridolin

Kappen

Es gibt so viele verschiedene Kappen.

Die wollene Kappe, im Moment nur am Morgen früh empfehlenswert. Die Dächlikappe, eher für den Nachmittag geeignet, aber sicher nicht bei Sturm. Dann eben die Sturmkappe oder die Tarnkappe. Und um diese Tarnkappe ging es gestern. Wir drei hielten uns um 8 Uhr noch in der Küche auf, als sich etwas schnellen Skatingschrittes Richtung Hütte bewegte. Das etwas entpuppte sich als italienischer Skitourenläufer, welcher die Hütte rechts liegen liess und mit schnellen Schritten weiter Richtung Osten entschwand.
So lange als möglich wurde er von uns mit dem Feldstecher verfolgt. Kaum 10 Minuten später kam der Zweite und liess die Hütte wieder rechts liegen. Ja, da schienen zwei nochmals eine heftige Trainigseinheit zu absolvieren. Also für uns nachvollziehbar. Was sich aber danach den ganzen Tag rund um die Hütte abspielte, ist für uns nur schwer zu verdauen. Es wuselte nur so von Tagesskitourengehern, welche wohl den Tschmima da Flix entweder im Uhrzeiger- oder gegen den Uhrzeiger bestiegen. Wenn ich alle gesehen habe, so waren das gegen zwanzig. Und was mich am meisten erschreckte, die letzten gingen um 16 Uhr über die Fuorcla d'Agnel. Dass die Jenatschhütte scheinbar gestern gut getarnt war und niemand einen Abstecher zu uns machte, das ist ja das Eine, dass man aber bei diesen Temperaturen noch um diese Zeit das ganze Val d'Agnel bis zum Julierpass abfährt, das Andere.
Das Eine kann ich ja noch begreifen, dass man bei der Hütte nicht noch einen Zwischenstopp macht, dass man aber um diese Zeit noch so weit vom Tagesziel entfernt unterwegs ist, das geht mir gar nicht in den Kopf. Zum Glück sind die grossen Grundlawinen ganz am Anfang vom Val d'Agnel schon ins Tal gerutscht. Eine Frage bleibt aber, wie meistens bei solchen Überlegungen, "was geht in den Köpfen von solchen Leuten vor". Haben die einfach ein so grosses Gottvertrauen, dass ihnen nichts passiert oder denken die gar nicht so weit? Ich weiss es nicht. Hie und da muss ich auch mich zügeln, wenn ich unsere Gäste, welche bei Lawinenstufe 3, oder gar 4, durch den "Hüttenhang" gefahren sind, mit einer bissigen Bemerkung begrüsse. 

Bei uns, soweit wir von der Hütte aus einsehen können, sind die Nassschneerutsche abgegangen und es lässt sich wunderbar "firnen". Dies bedingt aber, bei diesen doch recht hohen Temperaturen, dass wir für unsere Gäste recht früh das Morgenessen bereit stellen, was wir sehr gerne machen, denn so in diese Traumtage starten zu dürfen ist einfach nur - schön. :-)

Schön soll es auch die nächsten Tage bleiben und so werden wir am Samstag nochmals eine sehr gut belegte Hütte haben, was uns bei den Lagereinteilungen wieder ganz schön fordert, gibt es doch viele Gäste, welche zwei und mehr Tage bei uns bleiben. Und - kaum gemacht, wird es sicher wieder Änderungen geben.

Nun - wir freuen uns zuerst auf den heutigen Abend, ist doch Christoph, der Hüttenwirt des Staufner Haus aus dem Allgäu, bei uns als Gästekoch zu Besuch. Und dies mit Unterstützung eines Kollegen, welcher in der Schweiz als Koch tätig ist und deren Frauen. Wenn das keine Ehre ist. 

So - und nun scheint mir einmal mehr die Sonne von links direkt durchs Küchenfenster auf die Tastatur und den Bildschirm. Das bedeutet - adieu und ciao bis morgen Freitag, wenn ihr wieder das nächste Tagebuch lesen könnt.

Euch wünschen wir keine Tarnkappe, denn dies könnte im Verkehr gefährlich sein.

Herzliche Grüsse vum Fridli, dr Claudia und dr Martina, welche auch bald aus dem Schlaf erwachen sollte.


Claudia Drilling und Fridolin Vögeli

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