9. Oktober - Fridolin

Hin und her gerissen

Im Moment sind Einige hin und her gerissen.

Wir sind hin und her gerissen, ob der erreichten magischen 5'000er Grenze. Einerseits freuen wir uns natürlich sehr darüber, dass wir so viele Gäste begrüssen durften. Andererseits - muss es denn immer mehr sein? Genau darüber hat uns ein Gast, welchen wir nun schon zehn Jahre kennen, gestern auch geschrieben. Auch er macht sich Gedanken - muss es immer mehr sein? Mehr in der Produktion, mehr Boni für die oberen Etagen, mehr für die Aktionäre, mehr, mehr und immer schneller? Und viele von uns bleiben dabei auf der Strecke? Wo bleiben diejenigen Menschen, welche hinausgeschleudert werden? Und dies je länger je jünger? Wir können es nur erahnen, da wir es zum Teil hautnah erleben, was dies für die ganze Familie heisst. Abgesehen von der Person, welche direkt davon betroffen ist. Definitiv kein Zuckerschlecken und durch nichts zu ersetzen.

Hin und Her gerissen werden auch unsere Steinbockjäger. Einerseits hat's genug Steinböcke in der näheren und weiteren Umgebung rund im die Hütte. Aber - er muss zuerst eine Steingeiss erlegen und diese sind im Moment noch etwas geschickter als sie zwei. Gestern wollten sie, mit nur einem Morgenkaffee im Bauch, spätestens um die Mittagszeit wieder zurück sein. Es wurde 19 Uhr, bis sie wieder in der Hüttenstube auftauchten, ohne Geiss. Sie wollen auch etwas erreichen, nur - sie bringen die notwendige Zeit und damit auch RUHE mit. Auf der Steinbockjagd lässt sich gar nichts erzwingen. Die Natur lässt sich durch uns nicht in die Knie zwingen und schon gar nicht unsere Steinböcke. Wir sind gespannt, ob die Jäger heute erfolgreich sind. Zu gönnen wäre es ihnen.

Hin und her gerissen werden wir auch wegen unseren Bewerbungen für die Wintersaison. Auf der einen Seite haben wir sehr gute Bewerbungen, aber menschlich passt es nicht. Dann haben wir, wie gerade gestern, einen 'Probeschaffer' und da stellte sich im Gespräch heraus, dass er NULL Winter-Bergerfahrung hat. Wieso ums Himmel Willen, bewirbt er sich ausgerechnet bei uns für eine Wintersaisonstelle? Auf der höchstgelegenen SAC-Hütte in Graubünden und demzufolge nicht in einem Spaziergang erreichbar. Mir bleibt dies ein Rätsel. Es kann doch nicht sein, dass wir in der Ausschreibung noch schreiben müssen, dass Skitouren-oder Schneeschuherfahrung eine absolute Notwendigkeit ist. Oder eben doch? Für uns sind diese Schnuppertage anstrengend und mit viel Aufwand verbunden. Und dies am Ende einer langen und arbeitsintensiven Sommersaison. Und wenn sich dann heraus stellt, dass die Bewerbung "ein Schuss in den Ofen ist", so ist die Verwunderung schon sehr gross und wir fragen uns, was treibt diese Leute an, sich bei uns zu bewerben? 

Aber jetzt haben wir gerade einen Gast in der Stube, welcher vor hat den Job bald zu wechseln und nun heute, ganz spontan, einen Tag einmal das Hüttenleben von der anderen Seite kennen lernen möchte. Da stimmen wenigsten die Eckpunkte bereits, denn sie ist auch eine Wiederholungstäterin, die sogar 'wintertauglich' ist. Wir sind auf jeden Fall gespannt, wie dieses Abendteuer ausgeht. 

Was uns die letzten Tage auch sehr gefreut hat, ist eine Familie mit Kindern, welche eine Fahrzeit von über 4 Stunden auf sich nahm, um uns zu besuchen. Wir dürfen miterleben, wie flott und hilfsbereit die Kinder und dazu auch noch ausgesprochen anständig sind. Sie haben uns am Abend sogar beim Abwasch unterstützt und dies als ob das selbstverständlich wäre. Schön, dass wir das auch erleben und mitbekommen dürfen.

So und nun sind unsere Gäste mit dem Morgenessen so langsam in der Endphase und ich mit dem Abrechnen gefordert. Und somit ist's auch mit dem Tagebuch schreiben vorbei.

Also - ciao zusammen und bis zum nächsten Mal. 

Fridli, Claudia und Karin wieder aus dem Tal.


Claudia Drilling und Fridolin Vögeli

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