5. August - Milena

Stimmung

Und ihre Auf und Abs

Stimmung ist so viel Verschiedenes und doch nie fassbar. Manchmal sichtbar, zum Beispiel, wenn morgens die Sonne noch ganz flach durchs Tal zu unserem Küchenfenster hinein Strahlt und die dunklen Silhouetten der Berge sich in verschieden milchige Grautöne ganz sanft voneinander abheben. Oder abends, wenn plötzlich dicke schwarze Wolken vom Gletscher her zur Hütte ziehen, den blauen Himmel verdecken und genüsslich sonnenbadende Gäste von der Terrasse vertreiben. Auch in der Stube braucht es plötzlich Licht, innert Sekunden, Blitz, Donner, Hagel, etwas Regen und dann ist auch schon wieder alles vorbei. Letzte Sonnenstrahlen fluten kurz vor dem Abendessen die Hüttenfenster und überlassen bald dem Farbenspiel am Abendrothimmel die Bühne. Ein letztes Leuchten der höchsten Gipfel am Horizont und schon glitzern die ersten Sterne. Der Wind hat nachgelassen und die Fahne flattert nur noch träge vor sich hin. Das sind Stimmungen in der Natur, die wir kaum beeinflussen können, aber sie beeinflussen uns.

Die Stimmung in der Stube ist ganz anders nach einem Regentag, als nach Sommer-Sonnenschein. Auch hier ist schwer zu sagen, was alles genau dazu beiträgt. Ein Gefühl des Zusammenhaltes, wenn man es trotz schlechtem Wetter in die Hütte geschafft hat. Die müden Glieder die wohlig auf der Eckbank ausruhen, der wachsende Hunger, welchen der Eine oder Andere durch ein Stück frisch gebackenen Kuchen mit feinem Kaffee im Zaum hält. Das Geschnatter und Gelächter am Nebentisch. Stimmung ist etwas ganz persönliches und kann von jedem einzelnen ganz anders wahrgenommen werden. Während das Stimmengewirr beim einen ein gemütliches Gefühl der Zugehörigkeit und des Zuhauseseins auslöst, dröhnt dem anderen vom gehobenen Lärmpegel der Kopf.

Und doch ist Stimmung auch etwas grösseres und irgendwie ansteckend. Betreten wir einen Raum so merken wir umgehend wie es den Leuten darin geht. Sind sie fröhlich, bedrückt oder verspüren wir eine allgemeine Anspannung. Sind sie vertraut miteinander oder doch fremd, uneingespielt tastend. Gerade bei Menschen die uns nahe stehen schwappt diese Stimmung sofort über. Diese hochsensiblen Antennen, die uns ahnen lassen wie sich unser gegenüber fühlt, können Fluch und Segen zu gleich sein. Wie schön ist es mitfühlen zu können, jemandem bei zu stehen, vielleicht nachzufragen und in einem Gespräch das Verständnis für den Anderen noch zu vertiefen. Und wie belastend kann es sein. Ist die Stimmung durch etwas gestört, so wird es fast unmöglich dies nicht an einen selbst heran zu lassen. Auch wenn wir nicht direkt etwas damit zu tun haben, können wir nicht einfach ausklinken und werden unbewusst ständig davon beeinflusst. Diese Dauerspannung der Antennen ist sehr anstrengend und oft weiss man gar nicht so genau wovon diese genau ausgelöst wird. Darum ist es umso wichtiger immer wieder auf sich selbst zu hören und sich zu fragen wie es einem selbst geht was man daran für sich und sein Umfeld verbessern kann. 

Somit wünsche ich euch allen einen schönen Tag, gute Stimmungen untereinander und dass ihr euch Zeit nehmt eure Batterien an den Stimmungen der Natur wieder aufzuladen. 

Es grüsst euch ganz Herzlich aus der Jenatsch, Milena mit Karin, Orlando, Claudia und Fridli.


Claudia Drilling und Fridolin Vögeli

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