9. Mai - Fridolin

Freude

Gestern war ein Tag, welcher mir viel Freude bereitete.

Aber nicht nur. Aber davon später. Freude bereitete mir der schöne Morgen und davon konnte ich gestern einmal mehr einern geniessen. Nachdem die drei Gäste bereits früh unterwegs waren und ich meinen Morgenspaziergang zur Bachfassung und Sommerquelle gemachte hatte, wie auch den Hüttenwusel, liess ich mir es nicht nehmen mit einem Kaffee und einem Buch auf der Südseite zu sitzen und es mir gut gehen lassen. Dabei natürlich immer den Feldstecher, damit ich die Umgebung besser beäugen kann und sehe was sich da alles bewegt.
Die drei Gäste hatten zuerst den Piz Jenatsch bezwungen und waren nun auf dem Weg, wie besprochen, zum Traunter Ovas. Dabei sah ich, dass sich einer mit den Fellen beschäftigen musste. Wie so oft, wenn die Felle am gleichen Tag zwei bis drei Mal aufgezogen werden müssen. Als mein Blick weiter bergwärts scheifte, sah jemand über die Fuorcla d'Agnel kommen. Und dieser Jemand war niemand anders als Claudia. Natürlich habe ich sie erst auf heute erwartet, aber ich habe mich schon sehr gefreut, auch wenn ich mir das dann nicht so anmerken lasse, dass sie einen Tag früher hochkommt, um mit mir den Saisonabschluss zu machen. Und so kamen die Gäste, und ich natürlich auch, am frühen Nachmittag in den Genuss eines überaus feinen Kaiserschmarrens. Ja, so schnell war ich meinen Job als Innenminister los. ;-). Dabei hatte ich mein Abendmenu im Kopf schon längstens drei Mal umgestellt. Aber das machte dann Claudia auch, denn sie fragte die drei Gäste nach einem Wunschmenu und so bekamen sie drei verschiedene Sorten Knödel aufgetischt. 

Ja - und das mit Freude hielt sich dann plötzlich in Grenzen. Wie meistens, wenn etwas geschieht, so auch dieses Mal, kurz vor einer Essenszeit. Die Anzeige der Turbine zeigte plötzlich 0. Aha - also muss die Winterfassung verstopft sein. dabei war ich doch noch am Morgen vor Ort, um einen Augenschein des Wasserstandes zu nehmen. Was ich dann aber 12 Stunden später antraf erschreckte mich schon ein bisschen. Zuerst musste ich die Winterfassung noch unter einem knappen Meter Schnee ausschaufeln. Als ich die Schneedecke durchstossen hatte, sah ich, dass der Bach enorm viel Wasser führt und mir somit mit Steinchen die Zuleitung praktisch ganz verstopft hatten. Bei der Sommerfassung konnte ich feststellen, dass der Bach in diesem halben Tag die fünf bis achtfache Menge an Schmelzwasser führte. Also habe ich die Umstellung von der Winter- auf die Sommerfassung verpasst. Danach waren 2 1/2 Stunden harte Arbeit angesagt, bis ich die ganze Umstellung gemacht hatte und die Turbine wieder mit genügend Wasser versorgt war. Leider habe ich dadurch das feine Nachtessen verpasst, obschon die drei Gäste noch bis um 20.00 Uhr warteten, damit wir gemeinsam hätten essen können. 

Die Verabschiedung heute Morgen war auch wieder sehr herzlich, als sie sich Richtung Piz d'Err aufmachten. Also auch hier mit viel Freude die Gäste wieder verabschiedet. Genau zum richtigen Zeitpunkt kommt doch immer wieder ein Dämpfer, damit ich nicht zu übermütig werde. Aber jetzt könnte ich es doch noch werden, denn Claudia, die Innenministerin, ist wieder da und dadurch kann ich mich mehr meinen Geschäften draussen widmen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, ich könnte ein Telefon verpassen und somit eine Spontanbuchung.

Also, das komplette Team grüsst Euch wieder aus der Jenatschhütte und freut sich auf die letzten Saisontage.

Fridli + Claudia.


Claudia Drilling und Fridolin Vögeli

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