28. Februar - Fridolin

Ausflug

Gestern hat der Aussenminister sein Amt wörtlich genommen.

Wie Claudia im gestrigen Tagebuch schrieb, hatte ich für die Bivio Sportanlagen Termine wahrzunehmen. Damit es für mich mit Skier am besten geeignet war, haben wir uns für das La Veduta am Julierpass entschieden. Und so konnte ich nach dem Morgenessen für die Gäste bereit machen und einem eigenen, obligaten, Znünikaffee Richtung Fuorcla d'Agnel aufmachen. Bereits nach 10 Minuten laufen war die erste Tenuerleichterung angebracht. Während dem Laufen habe ich alle Hänge rund um mich herum genau beobachtet, damit ich unseren Gäste wieder Tipps für Gipfelabfahrten geben kann. Auf der Fuorcla d'Agnel hat mich, wenn erstaunt's, ein sehr starker Wind empfangen, welcher das Felle zusammen legen zu ein grossen Herausforderung machte. Danach knatterte ich die doch noch gefronenen Hänge in Tal hinunter. Vorbei an vielen aufsteigenden Gruppen, welche in alle möglichen Richtungen zu den umliegenden Gipfeln unterwegs waren. Die Einen schön kompakt, die Anderen eher als Ziehharmonika. Und so kam ich nach knapp 80 Minuten beim Parkplatz unterhalb des La Veduta's an, ohne einmal anzuhalten. Doch einmal hab ich kurz angehalten, um mit zwei aufsteigenden Wiederholern ein paar Worte zu wechseln und ihnen einen guten Aufstieg zu wünschen. Beim Parkplatz wurden die Felle, nach einer kurzen Trocknungszeit der Skier, wieder aufgezogen (dieses Mal ohne lästigen Wind) und danach stapfte ich der Julierpassstrasse entlang zum La Veduta. Um mich herum viele Geräusche und Düfte, welche mir bis vor ein paar Minuten wieder fremd waren. Nun war ich definitiv in der "anderen" Welt angekommen oder doch nicht? Denn plötzlich verlangsamte ein Auto neben mir sein Tempo, dieses senkte sich und in breitem Berndeutsch, notabene war das Autokennzeichen ZH, "möchtet ihr mitfahrä". Das hat mich kurz zweifeln lassen, ob ich tatsächlich schon über dem Berg in der sogenannten Zivilisation war. 

Kurzum, vor dem Restaurant noch ein Schwätzchen hier und noch eines das und ein längeres mit einem ehemaligen Skilehrer, welcher mir einige Anektoten aus der früheren Zeit in St. Moritz zum Besten gab.

Danach bis um 14:00 Uhr Besprechungen, inkl. Mittagessen. Als ich mich Richtung Val d'Agnel aufmachte, hat es mich vor Wärme fast erschlagen. Meine Gedanken kreisten nun natürlich, wo kann ich um diese Zeit noch die heiklen Hänge queren oder eben sinnvoll umgehen. Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, dass ich noch den letzten Sonnenstrahl bei der Hütte erhaschen konnte. So ging ich den Aufstieg relatib forsch an und liess die ganzen Besprechungen nochmals revue passieren. Mehrmals musste ich mir den Schweiss von der Stirn wischen, einfach um 1 1/2 Monate zu warm. Kurz nach der Mitte setzte ich meine Skier, als ich in einen anderen Hang kam, in den Pulverschnee und prompt hatte ich mit heftigen Stollen zu kämpfen. Auch das noch, dachte ich, und versuchte sie loszuwerden, was erst wieder im Nassschnee gelang. Und so näherte ich mich wieder der Fuorcla d'Agnel, in dem ich vielfach meine eigene Spur in die Gegend legte. Wieso? Weil ich mich frage, wie kann man soooo steil eine Spur anlegen,denn dies macht nur alle unnötig müde und das Vergnügen scheint aus meiner Sicht auch klein zu sein. Ein paar Meter weiter laufen, dafür ohne Krampf und mit einem Lächeln im Gesicht.

Oben angekommen kurz Felle abziehen, Jacke anziehen und Blick auf die Uhr und zur Hütte (hat noch Sonne) und ab geht's in die Tiefe. Kaum zehn Minuten später stand ich vor der Hütte. Etwas warme Oberschenkel, aber mit einem Lächeln im Gesicht. Schön war's - das kann ich mir gefallen lassen.

Heute erwarten wir, wie jedes Jahr, eine Gruppe mit den zwei Bergführen Glod und Berni, auf welche wir uns immer sehr freuen. Normalerweise bleiben sie immer drei Tage bei uns, da der Samstag schon ausgebucht war, werden wir nur zwei Tage das Vergnügen haben. 

Ansonsten werden wir wieder 900kg zum versorgen habe, steht doch gegen die Mittagszeit ein Helitransportflug an. Ein Kaffee an der Sonne sollte aber trotzdem diesem Programm noch drin liegen.

Wir grüssen herzlich und wünschen Euch einen zufriedenen Tag.

Fridli, Claudia und Barbara 


Claudia Drilling und Fridolin Vögeli

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