27. September - Fridolin

Schweizer Wirtschaft

Seit vorgestern ist es klar - es gibt einen neuen Bundesrat und somit einen Wechsel in diesem Departement.

Zeitgleich gab die Novartis bekannt, dass sie in der Schweiz über 2000 Arbeitsplätze abbaut und das praktisch in einer Region. Das muss man sich mal durch den Kopf gehen lassen. Es wäre, wie wenn plötzlich die ganze Kantonshauptstadt Glarus keinen Arbeitsplatz mehr zu bieten hätte. Stellt Euch das einmal vor! Mir geht das nur schwerlich in den Kopf und hat mich die letzten Tage schwer beschäftigt. Denn am Samstagabend hatte ich, beim Abrechnen wie so oft ein längeres Gespräch mit einem Gast und auch sie wusste noch nicht, ob sie auch betroffen sein würde. Jetzt dürfte auch sie Klarheit haben. Sie kam mit dem Gedanken zu uns, dass es sie auch betreffen könnte. Mit der Familie in die Schweiz gezogen, gut eingelebt, die Kinder gehen hier zur Schule und fühlen sich zufrieden und glücklich. Bis - ja eben, bis zu diesem Tag, als der Entscheid bekannt gegeben wurde. Ist ja klar, bei jedem Wechsel an der Spitze eines Unternehmens wird die Strategie hinterfragt und jeder neue CEO will ein Zeichen setzen und damit seinen Markwert noch mehr erhöhen. Wie wenn er nicht schon genug Honorar bekommen würde. Ich schreibe hier nicht von Lohn, sondern eben von einem Honorar. Natürlich muss man die Firmen fit für die Zukunft aufstellen, wie auch wir fit sein sollten, aber muss es denn immer so knüppeldick kommen? Sind 30% noch nicht genug? Muss der Aktionär tatsächlich noch besser bedient werden? Ist es nicht der Sinn einer Firma, dass sie Arbeit generiert und somit Leute beschäftigen kann? Und - natürlich soll sie so investieren können, dass der Fortbestand gewährleistet ist. Und jetzt komm ich zurück zum Rücktritt des BR Schneider Ammann. Er wurde als Patron gross und anerkannt. Und genau an solchen Patron's fehlt es heute in den grossen Firmen. In den KMU's sind sie noch zu finden - Gott sei Dank. Ansonsten werden die Mitarbeiter zu Nummern und somit zum Spielball der Geschäftsleitungen. Ein grosses Problem scheint auch zu sein, dass die Transporte immer noch nicht verursachergerecht mit Abgaben belastet werden. So kommt es vor, dass es sich immer noch lohnt, Werkteile tausende von Kilometern zu transportieren, in Europa herum zu karren und zum guten Ende wieder in die Schweiz zu bringen, damit das Produkt dann auch ja als Schweizer Qualität verkauft werden kann. Ein Blödsinn sondergleichen und unsere Umwelt lässt grüssen. Bei uns oben jeden Tag hautnah zu erleben. Ein bisschen weniger ist definitiv viel mehr. Mehr für jeden von uns. Mehr Lebensqualität, denn diese lässt sich nicht kaufen, ausser einmal für einen kleinen Kick. Aber langfristig sicher nicht. 

Was wir hier oben im Moment erleben ist ein Wechselbad der Gefühle. Draussen ein Traum - unglaublich schöne Abendstimmungen, sternenübersäte Nächte, glasklare Konturen der Berggipfel am Morgen, viel Sonne und Wärme. Und dann eben Menschen, welche der harten Arbeitswelt und deren eigenen Gesetze ausgesetzt sind und bei uns ein paar Stunden "Auszeit" geniessen können, um so wieder Kraft für die nächsten Arbeitstage zu holen. 

Wir werden heute auch wieder versuchen ein paar Sonnenstrahlen zu erhaschen und so Kraft für die kommenden Tage zu tanken. Dies auch trotz einem Lastenflug von 850 kg und weiteren Arbeiten, welche wir uns vorgenommen haben.

Euch wünschen wir Zeit, auch einmal Inne zu halten und Euch Gedanken zu machen, wie Ihr die Zukunft angeht.

Herzliche Grüsse.

Fridli, Claudia, Barbara und Karin, welche heute den Piz Ot unsicher macht.


Claudia Drilling und Fridolin Vögeli

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