24. Juli - Milena

Arbeitsweg

Langweilig ist anders

Gestern habe ich mich, nach meinem freien Wochenende, ca. um 6.00 wieder auf den Weg durchs Val Bever Richtung Jenatsch begeben. Noch etwas verschlafen steige ich auf mein Bike, Laufschuhe an den Füssen und nur eine leichte Windjacke über dem Sportshirt. Ein freundlicher Morgen, Vogelgezwitscher, zwischen Bever und Spinas springen mehrmals Rehe ins Versteck, als ich vorbeifahre. Das Gasthaus Spinas noch in der Nachtruhe, leere Terrasse, alle Sonnenschirme geschlossen. Ganz anders als am sonnigen Freitagnachmittag, obwohl ich da mit gutem Schuss unterwegs war, konnte ich beim Vorbeiflitzen lautes Geschwätz, Gelächter und Geschirrgeklimper vernehmen. Nicht aber am frühen Morgen. Das Tal zeigt sich im Märchenschlaf, die Stimmung ist irgendwie mystisch, an den Berggipfeln kleben weisse Nebelschwaden, in denen das noch schwache Morgenlicht glitzert.

Nach der Talstufe hinter Spinas, bin ich doch etwas ausser Puste und als ich eine kurze Verschnaufpause einlegte, sieht der Blick Richtung Jenatsch gar nicht mehr so gluschtig aus. Vom Albulatal her drängt ein Wasserfall dickere, dunklere Wolken ins Tal. Ich mache mir selbst Vorwürfe, leichtsinnigerweise ohne richtigen Regenschutz und warme Kleidung losgelaufen zu sein. Trotzdem fahre ich weiter, lasse mein Bike in der Alp Suvretta stehen und nehme die stutzige Strecke zur Alp Val unter die Füsse. Meine Beine sind noch etwas steif von der morgendlichen Frische und rebellieren ein bisschen.

Hinter der Alp Val dann aber die «positive Überraschung». Plötzlich drückt die Sonne mit voller Kraft durch den weissen Wolkenschleier. Reflektiert von den vielen Wassertröpfchen in der Luft, wird es schlagartig blendend hell. Ich überlege mir meine Sonnenbrille herauszuholen, entscheide mich dann aber dagegen, weil ich wohl doch etwas zu kurios ausgesehen hätte, mit meiner türkisen Windjacke, Kapuze auf, einem orangen Weidegriff in der Hand, den ich aus dem Tal mitgebracht hatte und dann auch noch den grossen Brillengläsern vor den Augen. Über mich selbst schmunzelnd und von den Sonnenstrahlen angetrieben, trabe ich dann frisch fröhlich weiter dem Beverin entlang.

Zwischendurch werden meine Füsse nass, weil ich zu sehr von den zufrieden am Wegrand grasenden Kühen und Kälbern abgelenkt bin und ich die eine oder andere Pfütze zielgenau treffe. Beim letzten Stück vor der Hütte sind es dann Murmeltiere die mich begleiten und auch Petrus zeigt ein Mal mehr, dass er keinesfalls als Langweiler abgestempelt werden will. Ein fast eisiger Wind und Nieselregen blasen mir nun wieder entgegen. Ich spute mich, um nicht auszukühlen. Bald sehe ich schon die Fahne wehen und ehe ich mich versehe sitze ich mit trockenen Kleidern in der warmen Hüttenküche und trinke meinen Z’morgen-Tee. 

Was für ein schöner und abwechslungsreicher Arbeitsweg! Findet ihr nicht auch? Wer es genauer wissen will, kann ja selbst einmal ausprobieren, wie er sich läuft oder beim Angebot Hüttenwart I oder II gleich das volle Programm miterleben. Wie auch immer, wir freuen uns auf jeden Fall über euren Besuch! 

Ganz liebe Grüsse aus einer der wohl schönsten Arbeitsumgebungen,

Claudia, Fridli, Monika, Milena und Karin, die im Tal ist und welche wir schon ganz schön fest vermissen.

 


Claudia Drilling und Fridolin Vögeli

081 833 29 29         info@jenatsch-huette.ch

775'350 / 155'675 .