28. August - Fridolin

Wasser

Heute wollte ich meine Gedanken zu einem Spruch schreiben.

Der Spruch hat uns gestern eine ältere, sehr belesene, aber auch witzige und mit viel Schalk ausgestattete, Dame vorgetragen:

"Fange nie an aufzuhören - höre nie auf anzufangen". Marcus Tillius, 106-43 v.Chr, römischer Redner und Staatsmann.

Nun habe ich mich aber entschieden nicht darüber zu schreiben, sondern eben über das Wort "Wasser". Soeben habe ich eine Gruppe junger Männer verabschiedet und prompt wurde ich wieder gefragt: "...gell, das Wasser kann man schon trinken. Obschon an den meisten Wasserstellen in und um die Hütte "kein Trinkwasser" steht... Meine Antwort war und ist, dass wir das Wasser jedes Jahr vom Kantonalen Lebensmittelinspektorat untersuchen lassen und die Antwort eben auf "kein Trinkwasser" lautet. Dass dann ausgerechnet aus dieser Gruppe gestern Abend einer den Hauptgang ausgelassen hat, weil es im ziemlich übel war, spricht vielleicht für sich. Würden wir das Wasser offiziell unseren Gästen als 'Trinkwasser' abgeben oder verkaufen, so machen wir uns haftbar und über kurz oder lang könnten wir unsere Bilanz deponieren und die Hütte schliessen.
Nicht alle unserer Gäste sind gegen ein paar Keime zuviel im Wasser resistent genug. Gerade in der heutigen Zeit, wo viele Leute mit irgendwelchen Allergien zu kämpfen haben, ist aus unserer Sicht Vorsicht geboten. Auch wir würden uns sehr freuen, wenn wir über Trinkwasser, zumindest im Sommer, verfügen würden. Es würde uns die tägliche Arbeit in der Küche sehr erleichtern. Und - die Helikoptertransporte für das Trinkwasser, bzw. Mineralwasser würden ebenfalls entfallen. Natürlich würde auch für uns ein Teil der Einnahmen wegfallen und wir müssten uns Gedanken machen, wie wir diese ersetzen könnten, denn der Hüttenbetrieb muss auch finanziert werden. Soll man für das, allenfalls irgendwann mögliche Trinkwasser (zumindest im Sommer), etwas verlangen? Ich bin der Meinung ja, denn wir müssen, bereits heute schon, für das Wasser einen grossen Aufwand betreiben. Das fängt mit einer sauberen Quellfassung, über eine ebensolche Brunnenstube und Zuleitung an, ganz abgesehen von den Vorschriften und Kontrollen, welche wir bereits heute zu erfüllen haben. 

Ja - Wasser - ein heute schon omnipräsentes Wort und in Zukunft? In Zukunft wird uns dieses Wort noch viel mehr beschäftigen. In den Bergen, weil es immer schwieriger werden wird an gewissen Stellen dazu zu kommen und im Tal, nach heftigen Gewittern oder im Frühling bei der Schneeschmelze und Regen zeitgleich. Die Fachleute tun gut daran, die Situationen rund um die Dörfer und Weiler gut zu studieren und entsprechende Vorschläge auszuarbeiten. Was damit die Politik daraus macht, werden wir selbst in der Hand haben. Lassen wir den Politikern freie Hand, so verkommt auch dieses wichtige Thema zum Spielball irgendeiner Parteipolitik und die Bergtäler werden weiter entvölkert. Wollen wir dies nicht, so sind WIR gefordert aktiv einzugreiffen und die Zukunft mitzugestalten. Dafür steht eben: "Fange nie an aufzuhören, höre nie auf anzufangen".

Aber - und jetzt kommt eben das Aber, sind wir bereit bei UNS anzufangen? Es kann für viele von uns sehr schmerzhaft sein, einsehen zu müssen, dass wir unseren geliebten Ort aufgeben müssen, weil uns die Natur dazu zwingt. Aber jede schmerzhafte Erfahrung bringt auch wieder einen Neuanfang. Und daraus wächst wieder Neues und so entwickeln wir uns auch weiter. Da wir vielfach die Tendenz haben nur für eine Generation zu denken, vergessen wir, dass wir nur kleine Winzlinge auf dieser Erde sind und uns viel zu wichtig nehmen. 

Für einen Wochenanfang ein etwas gar schwergewichtiges Thema, aber die Aktualität muss auch hier oben aufgearbeitet und verarbeitet werden. 

Helft den Betroffenen mit, diese Geschehnisse zu verarbeiten und helft auch mit, die richtigen Weichen zu stellen.

Herzliche Morgengrüsse aus der Jenatschhütte vum Fridli, dr Claudia, dr Jeannine und dr Nicole.


Claudia Drilling und Fridolin Vögeli

081 833 29 29         info@jenatsch-huette.ch

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