16. August - Fridolin

Müde

Im Moment kämpfe ich mit der Müdigkeit.

Seit dem Saisonstart durchgearbeitet und jeden Tag das Morgenessen vorbereitet, geht auch bei mir nicht mehr spurlos vorbei. Die Augendeckel drücken schon am Morgen ziemlich schwer und versuchen die Augen zu verschliessen. Da würden sogar die unterstellten Zündhölzer brechen. Nun - wie es scheint, sollte es uns gelingen ab nächster Woche hie und da etwas länger als 5 bis 6 Stunden zu schlafen, oder sogar noch besser, einmal einen Tag auszusetzen. 

Gestern hatten wir eine Gruppe Schüler bei uns. Bei ihnen war die Müdigkeit schnell verflogen, als sie hörten, dass bei der Hütte kein Handyempfang ist. Sie nahmen sogar in Kauf, dass sie nochmals 30 bis 45 Minuten den Berg hoch laufen mussten, damit sie eine Chance auf Empfang hatten. So unterschiedlich ist das mit dem Umgang mit der Müdigkeit, bei uns sind die Gäste der Antrieb, damit wir einigermassen über die Runden kommen und bei den Jungen ist der Handyempfang der Sprit. Ich frage mich, wie gehen sie in zwanzig Jahren damit um? Wollen sie immer noch jede Minute online sein oder wären sie froh, dass sie einmal 48 Stunden davon verschont würden? Wir können feststellen, dass je länger, je mehr junge Gäste, welche schon mitten im Berufsleben stehen, sehr gerne einmal zwei und mehr Tage auf den Handyempfang verzichten können oder sogar wollen. Noch können wir ihnen das bieten. Aber wie lange noch haben wir dieses Privileg, dass wir in einer handyfreien Umgebung leben? Ich hoffe, für uns und unsere Gäste, dass dies noch lange der Fall sein wird. Ansonsten können wir diese RUHE bei uns auch nicht mehr bieten. Und genau diese RUHE ist uns ein zentrales Anliegen. Dies ist zwar gar nicht im Sinne unserer Swisscom, welche dafür verantwortlich ist, dass wir hier auch online sind und telefonieren können. Und da steht bereits das nächste Problem für die abgelegenen Hütten und Alpen an, welches gelöst werden muss. Denn ab Ende nächstes Jahr wir die ganze Telefonie umgestellt und dies bedingt, dass alle Betriebe über ein stabiles und ständiges Stromnetz verfügen müssen, damit sie noch telefonieren können. Wir sind auf jeden Fall gespannt, wie weit wir in einem Jahr, kurz vor Ende einer kurzen "Schonfrist", sind. 

Nun muss ich aber wieder aufstehen und mich bewegen, ansonsten könnte ich aber den Tasten des Laptops einnickern.

Darum seid herzlich gegrüsst vum Fridli, dr Claudia, dr Jeannine und dr Nicole aus dem Urlaub.

 


Claudia Drilling und Fridolin Vögeli

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