29. Juli - Fränzi (Vogelwarte Sempach)

1 Gramm pro Tag

Nun führt uns die Schneesperlingsbrut in die Jenatschhütte.

Schon vor 8 Tagen waren wir hier, um die Schneespatzenbrut in der Nestbox an der Nordwand des Hauses zu wägen. Voller Vorfreude und Begeisterung haben wir die Strecke auf uns genommen um zu sehen wie sich die Schneespatzen in den vergangenen Tagen entwickelt haben.
Bei unserer Ankunft gucken die Nestlinge uns durch das Einflugloch des Nistkastens an. Sie sehen schon wie kleine Teenagers (wissenschaftlich: „Flügglinge“) aus, von den erwachsenen Vögeln sind sie auf den ersten Blick vor allem an ihren knallgelben Schnäbeln zu unterscheiden. Wie das manchmal mit der Wildtierforschung so ist, durften wir heute neben erwarteten Zuständen auch eine grosse, für uns unerwartete Überraschung erleben.
Beginnen wir mit dem Erwarteten: Die kleinen Jungvögel haben wirklich schon das Ausflugsgewicht erreicht und auch ihre Flügel haben sich so entwickelt, wie sie sollen. Sie wiegen nun zwischen 36.5 und 39.5 g, d.h. in den letzten 8 Tagen hat jeder Jungvogel ca. 8 g zugenommen, d.h. 1 g pro Tag. Für die Eltern bedeutete das eine Menge Arbeit, mussten sie doch das Futter für die Jungen nicht nur anschleppen, sondern auch finden. Im Übrigen ist das eine Aufgabe, die für uns als „Insektensuchanfänger“ alles andere als einfach zu sein scheint, obwohl Schneesperlinge mühelos eine Schnakenlarve, die beliebteste Aufzuchtnahrung, nach der anderen aufsammeln.
Um 1 g zuzunehmen, muss ein Junges ungefähr die zehnfache Menge an Nahrung aufnehmen. Wie wir beobachtet haben, füttern die Eltern im Durchschnitt alle 4 Minuten 4 Insekten, also 1 Insekt pro Minute. Das heisst, dass die Elterntiere pro Tag bis zu 800 Insekten anschleppen. Nehmen wir an, ein Insekt wiegt im Durchschnitt 50 mg, macht das 40 g, die gerecht auf die, hier kommt die Überraschung… VIER etwa gleich alte Jungen aufgeteilt werden muss. Bei den Nestkontrollen vor 8 und vor 19 Tagen waren es erst drei Junge. Woher das Vierte kam, bleibt auch uns ein Geheimnis. Ebenso ist uns rätselhaft, wie viel die Eltern während der Jungenaufzucht selber zu fressen erhalten. Aber es muss nicht jedes Geheimnis heute gelüftet werden, denn wir haben vor auch in Zukunft noch viel über Schneesperlinge zu lernen. Hierfür kommen wir gerne wieder in der Jenatschhütte vorbei, denn das Essen ist so gut, dass auch wir hier mehrere Gramm pro Tag zulegen.


Ein frisch ausgeflogener Schneesperling ist ebenso neugierig auf die Kamera und den Feldstecher wie wir auf seine ersten Erfahrungen ausserhalb des Nestes.
Mit diesen Worten wünschen wir euch einen weiterhin schönen Aufenthalt auf der Jenatschhütte und mit ein bisschen Glück könnt ihr die jungen Schneesperlinge vielleicht in der Umgebung der Hütte sehen.

Eure Fränzi mit Christian mit dem ganzen Hüttenteam


Claudia Drilling und Fridolin Vögeli

081 833 29 29         info@jenatsch-huette.ch

775'350 / 155'675 .