2. Januar - Fridolin

mit Verspätung

Leider hat meine Verspätung einen triftigen Grund.

Es hat sich unterhalb der Hütte ein Gast, der sich auf dem Heimweg befand so weh getan, dass wir die Rettung organisieren mussten. Da wir in der Hütte aber noch eine ganze Gruppe hatten, haben sie sich spontan für die Erstversorgung zur Verfügung gestellt. Wir sind jetzt gar nicht sicher, ob die REGA den Gast abholen kann. Die Sichtverhältnisse sind sehr wechselhaft und somit wäre ein Rettungsflug mit viel Risiko verbunden. Das würde bedeuten, dass wir den Gast zurück in die Hütte holen werden. Das würde viel Schweiss kosten, denn eine erwachsene Person bei diesem Neuschnee 150 Höhenmeter hoch ziehen, braucht doch einiges an Muskelkraft. Wir werden's bald erfahren.

Der gestrige Neujahrstag hat sich schlussendlich von seiner besten Seite gezeigt. Zuerst sehr zögerliche Aufhellungen und anschliessend strahlend blauer Himmel. Dies erlaubte unseren Gästen die Gipfel Surgonda, Tschima da Flix und den Calderas zu besteigen. Und alle kamen mit einem strahlenden Gesicht retour. Schön, wenn wir an die Wetterprognose denken. Einige allerdings gaben sich mit einem kurzen Ausflug zufrieden und genossen einfach die RUHE und den wunderschönen Tag. So war am Abend jeder mit sich und der Umwelt zufrieden. Das freut uns sehr, wenn wir auch etwas zu diesen Glücksgefühlen beitragen können. Wie sagte doch ein Gast -  ich bin "Jenatschhappy". 

Für mich hat gestern der Tag etwas anders begonnen, als ich mir einen 1. Januar vorstellte. Der Berg hat mir - zum Glück bereits Anfang Jahr - meine Grenzen aufgezeigt. Als ich am Morgen in die Küche kam, sah ich sofort, dass kein Wasser mehr zur Turbine floss, da kein Strom prodziert wurde. Da ich ahnen konnte, was die Ursache sein könnte, machte ich mich gleich auf den Weg. Nur - als ich vor die Hütte trat, empfing mich ein Schneesturm und dunkel war es auch noch. Es kam so, wie ich dies nicht erwartete. Ich verpasste das Turbinenhäuschen um ein paar Meter und so war ich plötzlich "meilenweit" davon entfernt. Dies spürte ich natürlich und nach einer Stunde konnte ich mich so orientieren, dass ich wusste, wo ich überhaupt war. Nun - alles gut gegangen und die Turbinenzuleitung war auch noch nicht eingefroren und so kam ich nach 2 1/2 Stunden wieder zur Hütte zurück. Ohne Morgenkaffee ein hartes Stück Arbeit. Ein gutes Morgentraining, aber es muss nicht jeden Tag so sein. 

Heute verlassen uns bald Simone, Ludovic und Ursi Richtung Julierpass. Es war ausserordentlich schön mit ihnen. Es machte viel Freude - wir sind/waren ein Superteam. Ihnen danken wir ganz herzlich, dass sie den Jahreswechsel bei uns verbracht haben. Dem Ludovic wünschen wir eine gute Abgabe und Verteidigung seiner Doktorarbeit und freuen uns bereits auf das Wiedersehen als Gästekoch. Den beiden Frauen wünschen wir natürlich auch alles Gute und ein baldiges Wiedersehen.

So, das war's für heute.

Herzliche Grüsse.

Fridli, Claudia, mit Simone, Ursi und Ludovic.


Claudia Drilling und Fridolin Vögeli

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