5. Oktober - Fridolin

Offener Brief an alle Lokalwetterprognostiker

Lasst es doch einfach sein. Ihr könnt es zwar länger, aber nicht besser.

Wenn man schon Lokalwetterprognosen herausgibt, dann sollten diese auch für diesen Ort gerechnet sein. Heute klingelt bei uns das Telefon mehr als üblich um diese Jahreszeit. Nicht für Reservationen, nein für Absagen für das Wochenende. Scheinbar hat wieder einmal eine Radiostation Schneefall bis 1’200MüM angekündigt. Schau ich aber die Prognosen an, so könnten bei uns um die 2mm Niederschlag (ca. 2cm Neuschnee fallen).  Zu viel um auf einem Bergweg zu laufen?

 

Nun frage ich Euch, liebe Meteorologen, wisst Ihr eigentlich, dass Ihr dauernd der hiesigen Tourismusbranche einen riesigen Schaden zufügt? Gehe ich davon aus, dass viele von Euch noch von meinen Steuern alimentiert werdet, so steigt bei mir der Puls doch merklich an. Wir strampeln uns den Buckel krumm und Ihr schickt mit einer kurzen Lokalwetterprognose alle unsere Bemühungen den Bach runter. Könnt Ihr nicht endlich aufhören und Lokalwetterprognosen herauszugeben? Denn, Originalzitat von Meteorologen von Meteo Schweiz; «um richtige Lokalwetterprognosen heraus zu geben, müssten wir diese rechnen und das müsste dann halt auch bezahlt werden». Alles andere sind computerunterstützte Programme und haben mit «Lokal» gar nichts am Hut. Insbesondere bei unserer Lage der Jenatschhütte, welche im Grenzbereich der Alpennord- oder Südseite liegt, ist es unheimlich schwierig eine punktgenaue Prognose zu stellen.

Wie hoch die Trefferquote schlussendlich liegt, können wir auch nicht genau sagen, denn ab wann ist sie ungenau? Wie viele Sonnenstunden dürft Ihr danebenliegen? Oder um wie viele Millimeter Niederschlag dürft ihr Euch irren? Wenn ich mich bis Samstag zurückerinnere, so hat keine der Prognosen gestimmt. Alle lagen bei den Sonnenstunden und Niederschlägen um mindestens die Hälfte daneben. Ich würde mich in Grund und Boden schämen, wenn wir eine Kundenzufriedenheit von 50% hätten. Wir könnten die Hütte schliessen und uns eine andere Anstellung suchen. Das würde zwar sehr schwierig, bei einer so niedrigen Kundenzufriedenheit oder wir müssten uns komplett neu orientieren.

Also, liebe Wettervoraussager, lasst die LOKALWetterprognose doch der Vergangenheit angehören und verzichtet darauf. Alle Tourismusabhängigen wären Euch sicher sehr dankbar.

Oder ein Vorschlag zur Güte und Ihr könnt weiterhin auch Lokalwetterprognosen herausgeben, wir definieren ab wann diese stimmt oder eben danebenliegt und Ihr bekommt Euer Lohn der Erfolgsquote entsprechend. Das wäre doch nicht’s als fair, denn Ihr seid es schlussendlich, welche unsere Reservationsbücher füllen oder eben auf einen Schlag leeren.

 

Herzliche Grüsse aus der Jenatschhütte von einem schwer verärgerten Hüttengastgeber.

Fridolin

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Claudia Drilling und Fridolin Vögeli

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