11. Oktober - Jeannine

Glück

Jeder Mensch hat das Recht auf Glück. Teilweise schlägt es ein paarmal ein, teilweise nur ab und zu.

Aber Hauptsache es schlägt ein und der Mensch ist glücklich. Was gibt es schöneres als glückliche und zufriedene Menschen. Und vor allem wenn sie hier in der Hütte sind. Es gibt so viele Menschen, die einfach nicht zufrieden sind mit dem was sie haben. Das ist etwas, was ich nicht verstehen kann. Warum strebt man immer nach mehr? Warum ist man nicht einfach zufrieden? Um glücklich zu sein braucht es doch keine materiellen Sachen, zum Glücklichsein genügt doch ein gutes Umfeld. Oder bin ich da falsch? Nein, ich glaube nicht.

 

Gestern kam eine ganz besondere Frau zu uns in die Hütte. Den fleissigen Tagebuchlesern ist sie wohl bekannt. Auf jeden Fall kam sie gestern in Begleitung. Und das freut uns sehr, denn sie hat sich das so sehr gewünscht. Bei ihrem letzten Besuch sagte sie mir noch beim Abwaschen: «waisch Jeannine, bin nöchsta mol, wenn i do hära chuma, möchti mit öpperem zämma im na Doppelzimmer schlofa!» Darum und auch sowieso freue ich mich umso mehr, dass sie nun so glücklich ist. Als sie kamen, kamen sie Hand in Hand. So schön. Dann kamen sie dann in die Küche um Hallo zu sagen. Eine schöne Umarmung und einen festen Handschlag später sah ich bereits in ihren Gesichtern, wie glücklich sie sind. Und dann erzählten sie mir von ihrer Geschichte, wie sie sich kennen gelernt haben. Eine Traumgeschichte. Über ein Inserat in einer Zeitschrift ist sie über ihn gestolpert. Hatte ihm dann geschrieben, dann haben sie sich getroffen. Beim ersten Treffen war er sofort begeistert, sie noch nicht ganz überzogen. Es folgte ein zweites Treffen und da war es klar. Und nun ist dies schon 6 Wochen her. Und wenn man die beiden so betrachtet, sieht man die Herzen fliegen und die Wolke sieben auch. Dazu ist übrigens noch zu sagen, dass die beiden noch schon ein bisschen älter sind und es dann auch nicht mehr so einfach ist, einen Partner zu finden. Doch jetzt hat sie das Glück gepackt und sie lassen es auch nicht mehr los. Schön, einfach nur schön.

 

Und Glück brauchen hier noch ganz andere. Vielleicht weiss der eine oder andere, dass zurzeit Steinbockjagd ist. Ja, wer mich kennt weiss, dass ich nicht unbedingt Fan davon bin. Aber diese eine Jagd ist halt für den Jäger schon besonders, da sie für ihn nur alle 10 Jahre stattfindet. Und solange sich der Jäger dem Tier gegenüber mit Respekt verhält ist es auch OK für mich, solange ich das tote Tier nicht sehen muss. Aber zurück zu den was ich eigentlich erzählen wollte.  Wegen der Steinbockjagd ist auch der hiesige Wildhüter immer mal wieder im Val Bever unterwegs, denn er muss ja das Ganze im Auge behalten. Und gestern kam er zusammen mit einem Kollegen aus dem Albulatal, den Fridli und ich auch sehr gut kennen. Sie blieben bis zum Mittagessen. Dann überredeten wir sie für einen «Tschütterlimatch». Und das war dann so lustig. Die beiden kamen richtig aus sich heraus. Und auch wenn sie nicht gewonnen hatten, hatten sie doch einen riesen Spass. Doch scheinbar haben sie die Niederlage doch noch nicht ganz verdaut, so stand es mal im Mail von heute Morgen. Und da stand auch, dass der eine Jäger Erfolg hatte.

 

Glück ist auch wenn man am Himmel einen Luftkampf der Giganten beobachten kann. Und das konnten wir, und wie…. Da war nämlich Herr Bartgeier und Herr Adler zu sehen. Und irgendwie hatten sie keine Freude aneinander! Ich meine für uns Menschen ist es ja schon ein Erlebnis, wenn man den einen Herr am Himmel beobachten kann, aber gerade beide das ist etwas Einmaliges. Bei diesem Luftkampf gaben beide alles. Der Adler hockte sich sogar auf den Bartgeier drauf. Dieser drehte sich in der Luft umund attackierte den Adler mit den Krallen. Dann schossen sie wieder in die Luft und auf einen neuen Angriff. Was das an Energie kosten muss, unglaublich. Dann gab es noch ein Geschwindigkeitsduell was der Bartgeier dann gewonnen hatte. Dann wieder in die Luft und runter auf den Gegner. Es war ein Schauspiel der besonderen Art. Ein Wahnsinn.

 

 

Und Glück ist auch wenn Kollegen auf der Hütte zu Besuch kommen. Ich durfte gestern eine liebe Kollegin aus Bergün, jetzt wohnhaft in Davos begrüssen. So schön. Ihr wisst ja wie das ist, alle sagen immer: «jo i chum di dänn mol go psuacha uf dr Hütta». Logischerweise kann es nicht immer passen, das weiss ich auch und bin niemanden böse. Aber ich freue mich umso sehr, wenn es dann klappt und ein bekanntes Gesicht taucht auf. So wie gestern. Und so hatten wir dann noch nach dem Abendessen Zeit, um zu quatschen. So schön.

 

Und wie die Zeit vergeht. Ich bin in der letzten Woche, stellt euch das vor. Schon wieder ist die schöne Hüttenzeit bald wieder vorbei, hat sie doch erst grad begonnen. Wo ist hier das Glück? Ganz einfach, es ist einfach Glück an so einem schönen Ort arbeiten zu können mit so lässigen Gastgebern. Das ist für mich Glück. Auch wenn unser Job nicht 08/15 und nicht immer einfach und manchmal streng ist, ist es doch das wahre Glück hier zu sein und jeden Tag neue Leute kennenzulernen. Und ich werde diese Woche sicher sehr geniessen, zum einen ist das Wetter bombastisch und zum anderen haben wir richtig lässige Gäste zu Besuch. Und der krönende Abschluss wird am Samstag mein Vortrag sein. Darauf freue ich mich sehr und es hat noch Plätze frei… Was macht ihr also am Samstag?

 

Liebe Hüttenbuchleser ich wünsche auch euch sehr viel Glück, in welcher Form auch immer. Und Glück ist nicht unbedingt ein Sechser im Lotto, das Glück ist vielmals viel näher als man denkt…

 

Sonnige Grüsse aus der Jenatsch-Hütte von der Jeannine, dem Fridli und der Claudia im Tal.

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Claudia Drilling und Fridolin Vögeli

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