1. Februar - Fridolin

Verschätzt

Wir hatten geplant, dass wir am Donnerstag wieder zur Hütte hochgehen. Die Wetterprognosen veranlassten uns aber, dass wir bereits gestern Mittwoch die Hüttentüre wieder öffneten.

Dies bedingte unser Talprogramm ziemlich umzustellen, fallen in den letzten Tagen immer noch unzählige "Dies und Das noch" an. Oder das wollte ich noch unbedingt erledigen, bevor wir mit der Wintersaison starten. Wintersaison? Wenn es wieder einmal über alle Berge regnet, so fragt man sich im Tal schon hie und da, ob das noch gut kommt. Fährt man aber über den Julierpass, so kann man sich das schnell sehr gut vorstellen.

So kam es, wie es kommen musste. Auch die alten Hüttengastgeberhasen mussten im Tal plötzlich jede Minute nutzen, damit das vorgenomme Programm auch Tatsache wurde. Wir hatten uns auch vorgenommen, dass wir für diese Saison mehr als sonst Grundnahrungsmittel einkaufen, damit wir ein bis zweimal weniger ins Tal müssen. So stand uns gestern also ein Grosseinkauf beim CCA Markt in Sargans bevor. Die Einkaufsliste war sehr gut bestückt und das Auto war fast schon voll mit Sachen, welche wir schon früher eingekauft hatten und natürlich mit den Nähmaschinen und Stoffen. Auch im Anhänger lag die erste Schicht drin. Während dem Beladen des Wagens, kam uns schon der Gedanke, ob wir das tatsächlich alles im Anhänger unterbringen würden. Die Mitarbeiter des CCA versorgten für uns alles super in den Bananenschachteln und diese türmten sich unterdessen auf vier Wagen. Und prompt - wir brachten tatsächlich nicht alle in den Anhänger. Und nun - ? Jemanden anrufen, den wir kennen, ob er uns den Rest mit ins Engadin nach Samedan fährt? Wir teilten unser Malheur den Mitarbeitern des CCA mit und dass wir zwei Wagen hier lassen müssten. Ich würde sie dann am Nachmittag abholen. Das hiesse die erste Fuhre in Samedan abladen und gleich nochmals nach Sargans und den Rest noch holen. Nun suchten sie, die Mitarbeiter des CCA Sargans, unter den Kunden, ob gerade jetzt einer aus dem Engadin am Einkaufen sei. Leider nein. Nun bemühten sie sich um einen Transporteur, welcher noch am Mittwoch ins Engadin fahren würde. In der Zwischenzeit sahen wir zwei 'fast' Nachbarn von uns in Schwändi, wo wir seit Ende Oktober nun wohnen. Sie, Silvia, führt den Dorfladen und ihr Mann Heiri, schaut daheim zum Rechten, nein, ist pensioniert. Und nun ging alles plötzlich wie am Schnürchen. Heiri, früher ein LKW-Fahrer mit Leib und Seele, sagte uns spontan zu, dass er den Rest in seinen Jeep lade und mit uns nach Samedan fahre. Und Silvia verschob ihren Einkauf auf später. So viel Hilfe auf einen Chlapf erleben zu dürfen ist schon super! Zuerst die Mithilfe der CCA MitarbeiterInnen und dann von Heiri und Silvia - einfach nur herzlich und fast nicht zu glauben. Dank dieser super Mithilfe, lag es sogar noch drin, dass wir gemeinsam ein Mittagessen im La Veduta (unsere nächsten Nachbarn am Julierpass) einnehmen konnten.

Und auch bei der Heli Bernina durften wir einmal mehr ihre Mithilfe erfahren, bemühten sich die Flughelfer doch sofort, ob sie noch ein Plätzchen für unseren voll beladenen Anhänger finden. Denn diese Sachen können erst morgen Freitag hoch geflogen werden und sollten nicht in der Kälte stehen, da heute nun definitiv kein Flugwetter ist.

Wir waren ab 15.45 Uhr wieder in der Hütte und konnten unser gewohntes "Eröffnungsprogramm" abspuhlen. Zuerst die Heliladung in die Hütte tragen, Feinverteilung erfolgt später. Fridli's Abstieg zur Turbine und Wasserpumpe. Zuerst das Hüttli zur Hälfte ausschaufeln, neue Schaufel, aber scheinbar produzieren die etwas, was sie selbst gar nie in den Händen haben, denn die Schaufel ist am Stiel so schlau befestigt, dass sie immer seitwärts hin und her kippen kann... Die Türe aufmachen und das schöne Geräusch von "Wasser fliessen" hören. Isolationen über der Turbine und Pumpe entfernen, Peltonrädli an die Turbine montieren und dann das erste Mal mit den neuen Funkgeräten Kontakt mit Claudia aufnehmen. Und wie gut die funktionieren - super - man muss nicht mit der Ohrmuschel fast ins Gerät hinein. Und die Rückmeldung macht Freude. 15.4 Ampere. Dies bedeutet, dass wir gut Strom haben. Am Abend hatten wir sogar noch mehr. Danach die Pumpe in Betrieb nehmen. Dies ist jeweils noch spannender. Aber auch da, im zweiten Anlauf kam die gute Meldung von Claudia, dass oben das Wasser in den Bottich läuft und dies bei vollem Rohr! Ein Freudentag. Alles lief, wie wir uns das erhofft hatten und in den letzten Jahren auch viele Arbeitsstunden, KnowHow und Geld investiert hatten. So kann man nur hoffen, dass es so weiter geht.

Am Abend wurde vieles schon versorgt und jeder war so in seinem Element, dass wir gar nicht merkten, wie spät es schon war. Nun - es gab trotzdem noch ein Nachtessen, nur ein Jass oder Würfelspiel lag dann nicht mehr drin.

Heute werden wir uns dem Innenleben der Hütte annehmen und sie so vorbereiten, dass sich unsere Gäste wohl fühlen können.

Euch wünschen wir einen so schönen Tag, wie wir ihn gestern erleben durften. Oder macht's wie Silvia und Heiri, eine gute Tat, welche für die ganze Woche reicht.

Herzliche Grüsse vum Fridli und dr Claudia.

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Claudia Drilling und Fridolin Vögeli

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