9. Februar - Claudia

absolute Stille

Wo kann man heute noch absolute Stille erleben? Wo Nächte ohne Kunstlicht? Wo pure Natur mit allen ihren Kräften?

Vor zwei Tagen bin ich am Morgen losgezogen, die Schneeschuhe an den Füssen. Ziel war es eine graue kleine Box in der Umgebung zu finden, die beim letzen Heliflug den Weg aus dem Netz fand. Da wir angenommen haben, dass sie vielleicht gleich nach dem Absetzen des Netzes vom Wind der Rotoren weggeblasen sein könnte, habe ich diesen Ausflug in den Schnee und in die Felsen gemacht. Den Feldstecher hatte ich ständig an den Augen und habe von der Seite und von unten die Felsen gespiegelt. Leider ohne Erfolg - nur was die Box betrifft. Ich kam nach diesen beiden Stunden zur Hütte zurück und hatte das Gefühl etwas Besonderes erlebt zu haben. Es war still, einfach nur still, kein Ton irgendwo. Dazu glitzerte der Neuschnee in der Morgensonne und unter den Schneeschuhen knirschte es wohlig. So schön! 
Ich kann mich noch gut erinnern, als ich 2007 Hüttenhilfe in der Jenatsch war. März und April konnte ich Teil des Teams um Röbi sein und meine ersten Erfahrungen sammeln. Zu dieser Zeit sass ich mal bei der Fahne im Schnee und der Blick schweifte in die Umgebung, die Berge, die verschneiten Landschaften. Ich war fasziniert und auch irritiert. Irgendwas war anders, als ich es gewohnt war... es war absolut still. Ich kannte das nicht, hatte es noch nie erlebt. Sonst hört man draussen den Wind, oder irgendwo Wasser, oder Vögel, oder Menschen - irgendetwas hört man doch immer. Aber da hörte ich nichts. Sagenhaft. Dieser Eindruck hat mich sehr lange begleitet und tut das noch heute. Und wenn ich das erlebe tut es mein Herz auf. 
Die Box hatte ich leider nirgends gefunden und doch kam ich total glücklich zur Hütte zurück. So ist das halt - jeder schöpft seine Kraft aus anderen Gegebenheiten.

Unsere Stube beginnt sich wieder zu füllen, je näher wir dem Wochenende kommen. Daher haben wir Christian gefragt, ob er allenfalls schon heute zu uns stossen kann. Dann sind wir für's Wochenende gut vorbereitet und können ihn noch ein bisschen einfuchsen. Er sagte sogleich zu und kommt also heute zu uns in die Hütte. Er hat einen sehr langen Weg und wird froh sein, wenn er dann hier ist. Er kommt aus der Umgebung von Fribourg und muss quer durch die ganze Schweiz reisen und dann noch zur Hütte rauflaufen. Wir wünschen ihm, der sicher schon eine Weile unterwegs ist, eine gute Reise und eine entspannte Tour zu uns hoch. Wir freuen uns auf ihn und darauf, ihn besser kennen zu lernen. 

Und bei Euch? Was tut sich da heute? Gestern hat uns ein guter Freund noch einen Artikel über den Schneesperling geschickt, der in der Schweizer Familie erschienen ist. Der Schneesperling, oder besser drei von ihnen, sind unsere Hausgenossen und leben um die Jenatschhütte. Sie sind an die Höhe angepasst und kämpfen mit der Klimaerwärmung, da das Futter nicht mehr zum gleichen Zeitpunkt parat ist, wie sie ihre Jungen versorgen müssen.
Kaum, dass wir draussen sitzen und uns auf der Terrasse unterhalten, sind sie schon parat und zwitschern uns ein Liedchen. Sie sind ja sehr klein und wunderschön gezeichnet. Ihnen zuzuhören ist eine Freude und selbstverständlich zeigen wir unsere Freude dann in einer handvoll Sonnenblumenkernen.... sie sind clever, die Schneesperlinge. Und wenn die Saison voran schreitet, werden sie immer zahmer und kommen uns und den Gästen sehr nah. 

Wir wünschen Euch auch viel Nähe heute. Geniesst die ruhigen Momente oder gar Stille um Euch herum. Falls Ihr das in Eurer Umgebung nicht findet, wäre die Jenatsch eine gute Adresse ;-). Herzlichen Gruss von hier oben. Claudia & Fridli 

 

<< zurück


Claudia Drilling und Fridolin Vögeli

081 833 29 29         info@jenatsch-huette.ch

775'350 / 155'675 .