3. Mai - Fridolin

Schnell

Wir sind uns ja gewohnt, dass hie und da etwas schnell gehen muss.

Zum Beispiel, wenn wir merken, dass unser Wassertank im Obergeschoss überläuft und die ersten Sturzbäche sich an der Küchendecke bemerkbar machen. Oder wenn ein Gast sich immer noch im Tal fühlt und meint er müsse sich bei der Durchreiche vor die anderen Gäste stellen, welche auch auf ihr erstes Bier warten. Der eine Bierzapfhahn ermöglicht aber eben genau nur ein gewisses Tempo und so kommt eben Bier um Bier über die Durchreiche. Dazu hat mir ein Bayer gesagt - "ein gutes Bier braucht sieben Minuten" - und genau daran erinnere ich die Gäste. Und welcher Gast möchte nicht ein "gutes Bier"? Schnell muss die Bedienung auch gehen, wenn Gäste genau um 18:30 Uhr vor der Durchreiche stehen und auch noch ein Getränk zum Nachtessen möchten, obschon wir um diese Zeit mit der Begrüssung loslegen möchten. Und damit die anderen Gäste nicht zu lange warten müssen, pressiert's dann halt eben plötzlich eben doch noch und das Essen wird ja bei uns immer punktgenau gekocht.

Gestern war ein Rückflug für das ganze Nähstübli mit den Nähmaschinen und den vielen, bereits zugeschnittenen Stoffen, sowie natürlich unseren ganzen Wintersachen so gegen Mittag geplant. Da sich das Wetter aber zusehends verschlechterte, war Claudia in ständigem Kontakt mit der Heli Bernina. Als wir bereits nicht mehr damit rechneten, dass ein Flug noch möglich ist, so kam der Anruf vom Einsatzleiter, dass sie einen Auftrag im Tal kurz unterbrechen und einen Versuch zu uns starten würden. Da wir wussten, dass der Chef Hansueli persönlich fliegt, nahmen wir an dass es doch noch klappen könnte. Und so musste innert Minuten damit gerechnet werden, dass Hansueli doch noch aus dem Nebel und Schneefall auftauchen wird. Und tatsächlich, wir konnten es kaum glauben, hörten wir ein Geräusch, welches sich schwer nach Helikopter anhörte und plötzlich tauchte er knapp unterhalb der Hütte aus der dem weissen Nichts auf und landete neben der Hütte. Getränke und andere Sachen ausladen und die bereits gestellten Sachen einladen, sowie natürlich Claudia einsteigen lassen, welche mit einem mulmigen Gefühl einstieg, denn sie hatte noch den Retourflug beim Sturm Anfang dieses Jahres im Kopf. Da aber auch dieses Mal ein Bärfuss, eben Hansueli, den Helikopter steuerte, stieg das Vertrauen sicher mit jedem Höhenmeterverlust. 

Ja, so schnell geht's und ich sitze hier oben alleine am Küchentisch. Kurz vorher noch ein Jass geklopft und nun ist die Ruhe komplett eingekehrt. Hie und da ein Telefon, welches ich so viel als möglich auf Mann trage, aber wie weit es reichen wird. Nun - mit dem neuen digitalen Gerät würde ich ja sehen, wenn ich einen Anruf verpasst hätte. 

Schnell wird bei mir heute gar nichts gehen, denn ich habe mir vorgenommen, "eins ums andere" zu erledigen und so meine Liste abarbeiten. Und sollte was übrig bleiben, dann läuft es auch nicht davon, denn es sind alles Sachen die können, müssen aber nicht sein. Und dann habe ich ein Buch zu lesen angefangen, welches wir von einem Einheimischen geschenkt bekommen haben. Er ist hier aufgewachsen und hat uns seinen neuesten Krimi mit Widmung geschenkt. Und wenn jetzt nicht lesen, wann dann?

Also - meine Zeit ist ausgefüllt - auch mit Sachen, welche nicht direkt mit der Hütte zu tun haben, denn da warten noch andere Aufgaben, wie zum Beispiel der Jahresbericht für die Bivio Sportanlagen AG, auf mich.

So und nun mache ich mir den ersten Kaffee, denn ich wollte zuerst schreiben, damit ihr den Tagebucheintrag zum Znünikaffee lesen könnt.

Herzliche Grüsse vum Fridli vu da dobä.

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Claudia Drilling und Fridolin Vögeli

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