6. Mai - Fridolin

Und jetzt?

Ja, jetzt sitz ich da, nein nicht am Küchentisch, sondern einmal in der Stube an einem langen Tisch.

Das ist das erste Mal, dass ich das Hüttentagebuch nicht aus der Küche, sondern aus der Stube zu Euch übermitteln werde. Wieso denn das? Ja, das kam jetzt ganu spontan. Wir haben ja eine schön grosse Küche und so sollte auch genügend Raum zum Schreiben sein. Aber heute, nein heute Morgen, da brauche ich Platz und noch mehr Grosszügigkeit. Warum? Ja, warum? Meine Gefühle sind überwältigt und diese müssen nun irgendwie verdaut und verarbeitet werden. Und wo würde es besser gehen als in dieser sonnenüberfluteten, hellen Stube mit dieser traumhaften Kulisse im Rücken? Also, und nun zur Sache, zu meinem Karusell im Kopf. Begonnen hat es ja damit, dass ich zum Saisonabschluss alleine als Innen- und Aussenminister fungiere und das nach einer langen und strengen Saison. Zuerst sah die Wettervorhersage nicht unbedingt danach aus, als ob ich dieses Wochenende auch noch hier sein würde. Nun - wie bekannt - es kam wieder einmal ganz anders. Schön, denn für alle die kamen, hat es sich mehr als gelohnt. Und siehe da ich durfte gestern Abend 22 Gäste empfangen. Darunter auch zwei Mehrfachwiederholer und somit auch neue Gäste. Diejenigen die mich kannten, fragten sich im Laufe des Nachmittags immer mehr, wie so ist der Fridli so ruhig, wenn er doch alleine wirtschaften und kochen muss? Und aus der Küche hört man auch fast nichts? Mehr als einmal wurde ich gefragt - "kann ich was helfen?". Ja - gerne, nach dem Nachtessen beim Abwasch und beim Essen an den Tisch bringen, damit das Nachtessen geordnet und zügig ausgeliefert werden kann. Und so kam es denn auch, die Auslieferung klappte wunderbar und beim Abtrocken hatte ich Ünterstützung von zwei Frauen, welche zwar nicht zusammen unterwegs waren, aber interessanterweise im gleichen, spannenden, aber auch sehr belastenden Beruf arbeiten. So verflog das Abwaschen wie im Fluge, fast ein bisschen zu schnell, waren die Gespräche doch einmal mehr sehr horizonterweiternd. Nach dem Abrechnen blieb noch ein bisschen Zeit um sich mit Tamina und Georg zu unterhalten, welche einen 5-Jahresrückblick ins Gästebuch zauberten und einen feinen Arvengrappa mitbrachten, welcher noch als "Absaggerli" verköstigt werden musste.

Heute riss mich der Wecker bereits um 4.15 Uhr aus meinen Träumen. So konnte ich in Ruhe das Frühstück vorbereiten und für Nachschub auf dem Buffetttisch sorgen. Und danach, ja danach begannen die Verabschiedungen der Gäste. Und die Rückmeldungen für den Aufenthalt hier bei uns haben nun meine Gefühlswelt etwas durchgeschüttelt. Da kamen Gäste auf mich zu, welche vorher sehr ruhig und zurückhaltend waren, "also ich war schon in über 100 anderen Hütten, aber so einen rundum schönen Aufenthalt habe ich noch nie erlebt. Bei der Begrüssung angefangen, das Nachtessen und dieses Zmorgenbuffett". Es war nicht der Einzige so positive Rückmeldung. Gut - ich hatte sicher den Bonus, dass ich im Moment hier alleine bin und viele denken, "etwas gar viel für einen alleine", trotzdem es muss zuerst verkraftet werden. So viel Lob innert ein paar Minuten sind auch für mich nur schwer zu verdauen. Es ist doch genau das, wieso wir hier oben als Gastgeber sind, dass die Gäste mit einem guten gefühl und wohl betreut auf ihre Touren gehen können. So können wir viel für einen rundum schönen Tag beitragen. Und was bitte schön, soll schöner sein? Und dies erst noch hier oben, in dieser traumhaften Umgebung, inmitten einer Tierwelt, welche auch das ihrige zu unserem Wohlbefinden beiträgt. Ach, da ist mir aufgefallen, dass auf dem Holzbänkli an der Hüttensüdseite, seit drei Nächten ein Vögelchen versucht ein Nest einzurichten. Dabei dachte ich, dass Nachtarbeit übers Wochenende verboten sei ;-). Nun frage ich mich natürlich, wieso auf dem Holzbank? Ist der bereits etwas mutiert? Das kann doch nicht  sein Ernst sein, dass er glaubt, auf den Bank sein Nest bauen zu können? Oder wollte er einfach für das grosse Vögeli, also mich, einen bequemen Platz für Nickerchen bauen? Und so entdecken wir immer wieder Neues aus der Natur und schon sind meine Gedanken wieder ganz woanders. Wo sie aber auch sind, das sind die noch zu erledigenden Arbeiten, nämlcih Waschmaschine ausräumen und Wäsche aufhängen, den Zmorgenabwasch erledigen, Küche in Ordnung bringen, Untergeschoss reinigen, Lagerräume wieder herrichten, usw..

Also dann bis morgen zum nächsten Hüttentagebuch, von einem hoffentlich wieder - ah, was seh ich den da, ein Lampenschirmglas ganz verstaubt und unten drin hat's sogar noch Spritzer, also dann tschüss bis morä, ich muäss jetz en Wäschlumpä holä.

Herzlichä Sunntigsgruass vum Fridli.

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Claudia Drilling und Fridolin Vögeli

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