18. August - Fridolin

nächste Jahreszeit

Seit ein paar Tagen haben wir das Gefühl - es ist Herbst.

Die Tage werden bereits wieder merklich kürzer. Die Rinder machen nur noch Kurzbesuche bei der Hütte, um zu schauen, ob nicht doch noch ein paar neue Gräser gewachsen sind. Aber die Zeit des Wachsen auf dieser Höhe ist vorbei. Wir haben noch keinen Frost, aber die Gräser wechseln schon die Farben. 

Bei mir dauerte also bis in den Herbst, bis ich mich das erste Mal ein paar Schritte von der Hütte entfernt habe. Gestern Vormittag hatte ich einmal Ausgang und diesen nutze ich, um einen Teil des Weges zur Fuorcla d'Agnel unter die Füsse zu nehmen. Dieser schnelle Ausflug diente dazu, damit ich den, im Laufe des Tages, stark aufkommenden Gletscherbach vom Surgonda einmal mit eigenen Augen inspizieren konnte. Und wenn ich schon dort oben war, so musste ich natürlich noch schnell auf den Surgondagletscher. Was mich hier erwartete, hat mich zwar nicht erstaunt, denn von der Hütte aus haben wir einen guten Einblick, aber die Tatsache so nah zu sehen, macht mich sehr betroffen. Ebenso scheint der Agnelgletscher in den letzten Atemzügen zu liegen. Hier von Gletscher zu schreiben ist schon bald übertrieben. Die letzte Resten kämpfen gegen die übermächtigen Sonnenstrahlen, sind aber auf verlorenem Posten, da die über ihnen liegenden Steine sich dermassen aufheizen, dass das ein Kampf gegen Windmühlen ist. Die nächsten Jahre werden für viele, sehr viele hochgelegene Hütten, sehr Entscheidende. Sehr werden geprägt sein, ob sie überhaupt noch sinnvoll erreichbar sind und / oder ob sie noch Wasser mit einem vernünftigen Aufwand haben werden.

Für uns sollte der Herbst eine etwas ruhigere Zeit, zumindest unter der Woche, bringen. Einige Wochenenden sind heute schon recht gut, oder ganz, belegt. Also die Gelegenheit uns unter der Woche einen Besuch abzustatten und damit die RUHE geniessen zu können. Auch steigt die Gelegenheit das Heimeli buchen zu können, welches die Hitliste der Wünsche anführt.

Herbst bedeutet aber auch, dass sich der erste Steinbockjäger bei uns angemeldet hat. Dieses Jahr dürfte es nicht so einfach werden, die beiden richtigen Tiere zu finden, da das warme Wetter und die, so hoch wie noch nie gestiegenen Rinder, sie weit in das obere Gebirge getrieben haben. Herbst bedeutet aber für uns persönlich aber auch, sich Gedanken für den kommenden Winter zu machen und weit darüber hinaus. Bei mir kreisen die Gedanken um die Wasserzufuhr vom Gletscherbach zum Sandfang, von dort zur Turbine und von dort hoch zur Hütte. Was muss ich unbedingt vermeiden? Welche Fehler darf ich keinesfalls mehr machen? Wo hatte ich letztes Jahr zwar einen Fehler gemacht, aber er hatte keine gravierende Auswirkungen? Sprich - so langsam aber sicher muss das Aussenministerium die Job's so erledigt haben, dass ein frühzeitiger Wintereinbruch "schadlos" überstanden würde. Wir sind aber hoffnungsfroh, dass wir noch einen goldenen Herbst erleben werden. 

Der Herbst ist aber auch die Zeit, in welcher eine komplette Hüttenreinigung ansteht. Das heisst, wir schauen wie viele Sonnenstunden wir erwarten können und dementsprechend wird Lager um Lager durchgewaschen. Ohne Sonne kein warmes Wasser und ohne warmes Wasser keine Wäsche waschen. Wir nutzen also die Zeit, in welcher wir nicht mehr als 20 Gäste erwarten, um einen kompletten Hüttenwusel zu machen. 

Heute hätten wir eine bis auf die letzte Matratze gefüllte Hütte erwarten dürfen. Da es aber immer noch, und unsere AGB's lassen solche Kapriolen leider immer noch zu, Gäste gibt, welche einen Tag vorher entscheiden doch nicht zu kommen, ua. "der Weg zu euch ist ja gar nicht easy", bleiben plötzlich wieder unbenutzte Betten frei. Schade für all diejenigen welche zu uns kommen wollten.

Um mich herum wuselt es schon gewaltig und so beende ich meinen heutigen Tagebucheintrag mit einem schon leicht eingeschlafenen Hintern.

Also, hebet's guat und seid herzlich von uns da dobä gegrüsst.

Fridli, Claudia, Karin und Milena.

 

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Claudia Drilling und Fridolin Vögeli

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