19. September - Fridolin

Andere Sicht

Hilfe - die Themen für's Hüttentagebuch gehen uns aus.

Karin macht lieber den Morgenabwasch, als dass sie in die Tasten hauen würde. OK - sie hat gestern beim Tschau Sepp drei Mal gewonnen, also muss ich mich halt fügen. Da mir aber auch kein griffiges Thema im Kopf herum schwirrt, sitze ich jetzt nicht am Küchentisch, sondern habe mich an einen Stubentisch gesetzt und will so einmal mit mehr Licht eine andere Denkweise fördern. Ja genau - wissen wir einmal nicht weiter und stossen an unsere Grenzen, so kann ein Sichtwechsel ungemein helfen. Was heisst das bei uns? Verstehen wir einmal eine Frage von einem Gast nicht auf Anhieb, so nützt es sicher, wenn wir versuchen uns in den Gast zu versetzen und somit einmal die Dinge aus seiner Sicht sehen.  Ja, wenn das nicht klappt, dann müssen wir uns echt fragen, ob wir noch am richtigen Ort arbeiten oder der Gast so kompliziert ist, dass man das auch aus seiner Sicht nicht verstehen kann. Vielfach löst sich der Knopf auch, wenn man weiss, dass er sich das erste Mal in einer SAC-Hütte aufhält. Übrigens - jetzt ist es plötzlich still in der Hütte, denn die letzten Gäste sind draussen und machen noch ein letztes Foto von der Hütte mit der Holzskulptur und laufen dann definitiv wieder zurück ins Tal. Manchmal muss man auch den Mut haben, die Dinge, welche sich über Jahre eingeschliffen haben, genau konträr, also um 180° gekehrt, zu hinterfragen. Zuerst wird man belächelt oder angeschaut als ob man direkt vom Mond käme, danach ungläubig angeschaut, bleibt aber die Miene ernst, so wird die Sache dann doch breit diskutiert und am Schluss gibt es ein neues und überraschendes Resultat, welches vielleicht zu neuen Innovationen führt. Bei uns hat das dazu geführt, dass wir nun über drei Doppelzimmer, die Sauna, das Heimeli, eine Solar- und Photovoltaikanlage, neue Bachfassung, neuen Sandfang, neue Wasserpumpe, neue Turbine und den dazu gehörenden neuen Hüttli verfügen. Manchmal muss man auch den Mut haben etwas verrückt zu sein und gegen den Strom zu schwimmen. Bringt man aber den Durchhaltewillen nicht auf, so lässt man es lieber bleiben und lässt sich mit dem Strom wieder in die andere Richtung mitreissen. 

Was mich aber in den nächsten Tagen immer wieder beschäftigt ist, trotz dem schönen Herbstwetter und steigenden Übernachtungszahlen, dass wir für die Wintersaison noch keine MitarbeiterInnen gefunden haben. Andere Jahre hatten wir um diese Zeit unser Winterteam, um zum Teil auch schon des Sommerteam, in trockenen Tüchern. Ist der Markt ausgetrocknet? Will niemand in dieser herrlichen Landschaft im Winter arbeiten? Stellen wir zu hohe Ansprüche? Oder erschrecken wir alle, weil wir betonen, dass es definitiv kein "Schoggijob" ist? Im Moment bin ich etwas ratlos und werde mich nun, nach einem feinen Badilattikaffee, nach draussen begeben und die eine oder andere Wintervorbereitung treffen und dabei genau dieses Thema aus einer anderen Sicht betrachten. Wer weiss, ob es plötzlich klick macht.

Klick mache ich auf jeden Fall jetzt beim Schreiben und klappe das Laptop zu. 

Also, ciao Ihr Lieben, bis zum nächsten Mal.

Herbstliche Sonnegrüsse vum Fridli, dr Karin und dr Claudia aus dem Tal (wach wird sie sein, denn es werden fast 40m2 Photovoltaikpaneelen aufs Dach montiert).


Claudia Drilling und Fridolin Vögeli

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